Mayr Kur & Burnout

Dr. Wolfgang Moosburger


In seinem Artikel nimmt Dr. Moosburger auf Forschungen und Krisenmodelle von Freudenberger, Maslach und Caplan Bezug.

Die ganzheitsmedizinische Betreuung schließt im Rahmen einer Mayr Kur im Gesundheitszentrum Rickatschwende neben den phyischen Faktoren Therapie, Entgiftung, Schonung, Bewegung, Ernährung, Entspannungstraining auch eine mentale ärztliche Beratung mit ein, die von einem Burnout betroffenen Gästen zu einer besseren Selbststeuerung der eigenen Gesundheit verhilft.

Aktuelles Thema „BURNOUT"

Dr. Wolfgang Moosburger

 

Der Begriff „ Burnout" wurde 1974 vom Psychoanalytiker Herbert Freudenberger eingeführt in Zusammenhang mit Krankheitsfällen mit körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung bei helfenden Berufen (Ärzte, Pflegeberufe, Sozialarbeiter, Lehrer, Erzieher). Als krankheitsauslösend fand er eine besonders hohe Arbeitsbelastung, gepaart mit einem besonders hohen persönlichen Engagement. Freudenberger beschrieb 12 Phasen des Burnout-Zyklus, wobei diese Phasen nicht immer genau in dieser Reihenfolge auftreten.

 

 

Definition nach Schaufeli und Maslach (2008):

  • „Burnout ist ein dauerhafter, arbeitsbezogener Seelenzustand „normaler" Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung (distress), einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und Entwicklung dysfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit.
  • Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach und kann dem betroffenen Menschen unbemerkt bleiben. Sie resultiert aus einer Fehlanpassung von Intentionen und Berufsrealität.
  • Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht."

 

 

Phaseneinteilung nach Maslach:

  • Enthusiasmus (nur wer einmal entflammt war, kann auch ausbrennen)
  • Stagnation
  • Emotionale und psychische Erschöpfung
  • Rückzug: Der Erschöpfung folgen negative Gefühle gegenüber anderen, wie Arbeitskollegen, Klienten, Patienten aber auch gegen sich selbst (Selbstwert, Insuffizienzgefühle, Schuldgefühle, ...). Es kommt zu Dehumanisierung und Zynismus mit Verlust positiver Gefühle gegenüber Mitarbeitern u./o. Klienten. Verstärkter sozialer Rückzug des Betroffenen. Reduktion der Arbeit auf das Notwendigste. Problemvermeidendes und Veränderung vermeidendes Verhalten.
  • Im Vollstadium verstärkt sich der Widerwillen gegen andere und sich selbst und es entsteht ein Gefühl reduzierter Leistungsfähigkeit.

 

 

Die Stufen können, müssen aber nicht in der Reihenfolge auftreten. Der Verlauf ist in seiner Geschwindigkeit und Stärke unterschiedlich und hängt u. a. von der Stärke der Überforderung, der Tauglichkeit der eingesetzten Bewältigungsstrategien, Ich-Stärke, sozialem Netz und vorhandenen und noch genutzten Ressourcen zur Regeneration (Sport, Natur, Freundschaften, kultureller/kreativer Ausgleich etc.) ab.

 

Häufige Begleiterscheinungen und Symptome, die von den Patienten geäußert werden und an ein Burnout-Geschehen denken lassen, sind: Schlafstörungen, Suchtverhalten (Alkohol, verändertes Essverhalten mit Gewichtszunahme, Nikotin, Beruhigungsmittel, Internet/Computersucht, ...), Somatisierungsstörungen (Anhaltende Körpersymptome wie Schmerzzustände von hoher Beeinträchtigung und fehlender oder unzureichender körperlicher Ursache), Depressionen. Ursachen für das Burnout sind mannigfaltig, können personenbezogen (intrapsychisch), aber auch systembezogen (Systemdruck, Arbeits- und Gesprächskultur, Rollenkonflikte, Rollenüberlastung etc.) sein.

 

Daher können sich die Interventionen sowohl auf die Person als auch auf die Organisation beziehen. Da Burnout auch als arbeitsbezogene Krise gesehen werden kann, wird sie auch unter dem Aspekt der Krisenmodelle gut verstehbar und behandelbar.

 

 

Krisenmodell nach Caplan (Grafik rechts)

2-Faktorenkonzept nach Jochen Brandstätter zur Bewältigung von Krisen und Überforderungssituationen:

  • Assimilation: Ziele bleiben gleich, werden aber mit anderen, besseren Mitteln verfolgt (Erweiterung der eigenen Kompetenzen, z.B. mit Fortbildung/Coaching auf unterschiedlichen Ebenen mit dem Ziel die fachliche, psychische und soziale Kompetenz zu entwickeln).
  • Akkomodation: Berufs- oder Lebensziel, das nicht erreicht werden kann, aufgeben und Ziele neu den äusseren und inneren Bedingungen anpassen.

 

 

Mögliche Ursachen sind demzufolge:

  • Zu hohe Zielsetzung, Intentionen durch die Person selbst, idealisierte, realitätsfremde Zielsetzungen
  • Durch Familie und Anpassungen in der Kindheit erworbene Lebensüberzeugungen, Glaubenssätze und daran gekoppelte Lebensmuster und Verhaltensweisen, die auch dysfunktionelle Anteile enthalten wie zum Beispiel: „Wenn ich nur perfekt genug bin, geht’s am besten auf dieser Welt und ich bekomme meine Wertschätzung und Anerkennung." Oder: „Wenn ich stark bin und meine Grenzen, Gefühle, Bedürfnisse nicht spüre ...." Oder: „ Wenn ich’s nur allen recht mache, komme ich am besten durchs Leben." Hochgradig Burnout-gefährdet sind daher Menschen in betrieblichen Sandwichpositionen, die es nach oben und unten im Organigramm recht machen wollen. Oder: „Wenn ich mich nur genug beeile, ...." Oder: „Die Andern sind wichtig, so wichtig bin ich mit meinen Bedürfnissen und Wünschen nicht."
  • Durchgemachte Traumatisierungen durch emotionale Vernachlässigung und/oder Gewalt können im späteren Leben eine verstärkte Angstbereitschaft (unnotwendige, nicht zur Realität passende Existenzängste) und daran gekoppeltes Konfliktvermeidungsverhalten, Selbstunsicherheit und Überanpassung mit sich bringen
  • Gesellschaftliche und organisationsbedingte Druck- und Überforderungssituationen, kombiniert mit dem Gefühl, nichts dagegen tun zu können.

 

 

Ein aktuelles, fallbezogenes Beispiel eines im Gesunheitszentrum Rickatschwende verweilenden Mayr Kur Gastes:

 

55 jähriger Mann, verheiratet, 2 erwachsene Kinder. Unauffällige, intakte Paarbeziehung, keine relevanten familiären Probleme. Arzt in eigener Praxis mit hohem Anspruch an sich und die eigene Arbeitsqualität. In den letzten Jahren zunehmend Schmerzen im Bereich der Kniegelenke und des Rückens mit teils hoher Schmerzintensität. Kein Ansprechen auf gängige Schmerz- und Physiotherapie. Außer altersentsprechenden Abnützungen keine ausreichende körperliche Erklärung für die Schmerzen auffindbar.

 

Beobachtbare Modulation der Schmerzen: in Urlaubssituationen, länger dauernden Ruhephasen weniger, in Zeiten hoher Arbeitsanforderung deutlich mehr Schmerzen.

 

Parallel dazu berichtet der Patient über teils gravierende Schlafstörungen mit teilweise nur 3 Stunden Nachtschlaf, chronischer Erschöpfung, zunehmender depressiver Grundstimmung, Mühe, seine Motivation für seine Praxistätigkeit aufbringen zu können und die Tendenz, sich aus seinem Freundeskreis zurückzuziehen. Eine auffallende Verbesserung erlebt er jeweils in seinem Ferienhaus. Dort könne er ausgezeichnet schlafen und erlebe eine deutliche Stimmungsaufhellung und weniger Schmerzen. Als ganz schlecht beschreibt er seine Situation in der Nacht von Sonntag auf Montag mit ausgeprägter Schlafstörung und erlebter Angst vor den Anforderungen der nächsten Woche. Er berichtet, dass er rein wirtschaftlich mehr arbeitet, als eigentlich notwendig wäre, nicht aus einer Freude und aus einer Schaffenslust heraus, sondern, weil er seit jeher und jetzt mit dem Älterwerden verstärkt unter Existenzängsten leide. In der Biographie berichtet er über eine massive Traumatisierung durch Gewalt im Schulalter durch einen Jugendlichen, bei dem ihm ein Bein gebrochen wurde mit anschliessend kompliziertem Heilungsverlauf (Knocheneiterung) und einer mehrmonatigen Trennung von seiner Familie durch Spitalsaufenthalt. Es gelingt ihm, seine Existenzängstlichkeit und dieses traumatische Erleben in einen Zusammenhang zu bringen und sich für eine psychotherapeutische Begleitung und Stützung zu öffnen.

 

Im Unterschied zu einem normalen Urlaub liegt der Vorteil eines Kuraufenthaltes an einem Ort, wo auch psychosoziale, psychosomatische und psychotherapeutische Grundkompetenz und Grundversorgung angeboten wird, in der Möglichkeit, eine manifeste oder sich anbahnende Burnout-Problematik zu erkennen, als solche zu benennen und über entsprechende Bewusstseinsbildung und Motivation die Patienten für Entspannungstraining, Lebensstiländerung, Coaching oder Psychotherapie zu gewinnen.

 

 

Weiterführende Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Burnout-Syndrom#Nach_Freudenberger

http://de.wikipedia.org/wiki/Burnout-Syndrom

http://www.bdp-verband.org/psychologie/glossar/burnout.shtml

http://www.mayr-gesellschaft.com/FXMayrGesellschaft/FXMG_Burnout_Stress.htm

 

 

nach oben