MMag Sabine Alge
Rickatschwende Gastgeberin Sabine Alge

Das Beste aus zwei Welten

Es gibt Tage, die sind wie verhext. Da sollte Sabine Alge einen Hut haben, aus dem sie sofort ein Zimmermädchen, einen Tischler, ein zusätzliches Zimmer und eine Kaffeemaschine zaubern könnte. Ein Gast hat sich auf ein Nachtkästchen gesetzt, das dabei leider gebrochen ist. Ein langjähriger Stammgast möchte kurzfristig zur Kur kommen, doch das Haus ist auf Wochen ausgebucht. Und als sie fünf Minuten Zeit hat, um einen Kaffee zu trinken, verlangt die Maschine einen Service. Die Nerven verliert Sabine Alge deswegen noch lange nicht. Seit über 20 Jahren ist sie die Direktorin der Rickatschwende.

 

TEXT Irmgard Kramer   FOTOS Marina Schedler | hiepler, brunier


Lange wusste Sabine Alge nicht, welcher Studienrichtung sie den Vorzug geben soll. Einerseits interessierten sie Menschen, andererseits die Wirtschaft. Also studierte sie einfach beides, Psychologie und Betriebswirtschaftslehre. Sie bereute es nie, die Mühen des Doppelstudiums auf sich genommen zu haben, weil sie so wertvolle Einblicke in zwei unterschiedliche Bereiche bekam, was sie schon während der Studienzeit nicht nur an der Kleidung ihrer KommilitonInnen bemerkte. Zwischen Anzügen und selbstgestrickten Pullovern suchte sie sich das Beste aus beiden Welten heraus.

Sie fokussierte sich auf das Human Resource Management und nahm schlussendlich ein Angebot der Rickatschwende an. Selbst nach so vielen Jahren und obwohl es Zeiten gibt, wo sie vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, findet sie ihre Aufgabe nach wie vor spannend und hat Freude an dem, was sie tut.

„Unsere Welt wird immer hektischer, schnelllebiger und doch können wir nicht immer nur auf der Überholspur sein. Irgendwann müssen wir mal rechts ranfahren und auftanken. Ansonsten beginnt unser Körper und unsere Psyche gegen dieses Highspeed-Leben zu rebellieren und wir verlieren zu schnell aus den Augen, was uns eigentlich wichtig ist.Menschen suchen vermehrt einen Ort der Entschleunigung – und eine solche Rückzugs- und Kraftoase wollen wir hier in der Rickatschwende sein. Zudem erkennen immer mehr Menschen, dass sich Gesundheit nicht einfach delegieren lässt. Wir selbst müssen uns um unsere Gesundheit kümmern. Wir wollen Freude an einem gesunden Lebensstil vermitteln und zur Übernahme von Eigenverantwortung motivieren.“



Dem Gast ein Zuhause bieten

Wer durchs Haus geht, soll schon an der Architektur erkennen, worum es geht: Weniger ist mehr! Die Linien sind gerade, Überflüssiges wird weggelassen, die Natur wird ins Haus gebracht und die Räume mit Licht durchflutet. Eine Art „Wellnessprogramm“ fürs Auge. Aber ein schönes Haus ist noch lange kein Wohlfühlhaus. Und hier bringt Sabine Alge die vielen guten Mitarbeiter ins Spiel, die zahlreichen GastgeberInnen des Hauses. Sie haben den direkten Kontakt zu den Gästen und spielen eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, positive Erlebnisse oder Emotionen zu vermitteln. Sie prägen das Ambiente, die Stimmung und die Wohlfühlatmosphäre. Umso wichtiger ist es, auch für die MitarbeiterInnen optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Teams ihre Arbeit bestmöglich erfüllen können. Dafür hat das Haus die optimale Größe. Auf knapp fünfzig Zimmer kommen mindestens so viele MitarbeiterInnen. Das ist ein gutes Verhältnis. Viele Gäste kennen die Namen der Angestellten und umgekehrt. „Es ist ein grosses Glück, dass wir so viele langjährige MitarbeiterInnen haben, die sich mit unserer Gesundheitsphilosophie identifizieren und mit uns an einem Strang ziehen.“



Frische Gedanken tanken

Und wie schauts persönlich mit der „Work-Life-Balance“ aus? Als Sabine Alge mit der Arbeit begann, nahm sie sich euphorisch vor, das Angebot im Haus regelmäßig zu nützen, vor der Arbeit schwimmen zu gehen bzw. nach der Arbeit noch im Fitnessraum zu trainieren. Das hielt sie nicht lange durch. Heute übt sie sich in Yoga. „Mein Talent hält sich allerdings in Grenzen – am liebsten sind mir Anfangs- und Abschlussentspannung“, sagt sie lächelnd.

Einmal in der Woche läuft sie auf den Karren, den Hausberg von Dornbirn. Sie empfindet es als Glücksfall, direkt am Bodensee zu wohnen, ihrem persönlichen Entspannungsparadies. „Ich mag den See, das Wasser und alles, was dazugehört. Den Tag mit Schwimmen im See zu starten oder am Ufer entlang eine Runde zu joggen – das alles ist für mich Lebensqualität pur.“

Zwischendurch spielt sie auch gerne mal eine Runde Golf, auch wenn ihr Handicap in den letzten Jahren eher rauf statt runter geht. „Gott sei Dank muss man keine Single-Handicapperin sein, um am Golfen Gefallen zu finden. Man darf den Sport einfach nicht zu ernst nehmen, dann bleibt auch der Spassfaktor erhalten. Zudem bewegt man sich an der frischen Luft, legt mehrere Kilometer zurück, trainiert einen Großteil der Körpermuskulatur und trifft sich mit Freunden oder lernt neue, interessante Menschen kennen.“

Dazwischen gönnt sie sich den einen oder anderen Kurzurlaub, sammelt Eindrücke bei Städte- und/oder Kunstreisen. Immer dabei und griffbereit: ihre Fotokamera. Gerne schlüpft sie aber auch zu Hause in die Gastgeberrolle und bekocht mit Freude ihre Gäste. „Ich bin dankbar für meine Familie, Freunde und Freundinnen, die mein Leben begleiten und bereichern, die mir den Alltagsstress wegzaubern und mich, wenn nötig, auch wieder in die richtige Spur bringen.“



Kreative Spitze

Den Erfolg des Rickatschwende F. X. Mayr Health Retreats teilt sie nicht nur mit den MitarbeiterInnen, sondern auch mit zwei starken Männern: Mit Heinz Hämmerle, dem Unternehmer, der nach wie vor als Inhaber gerne das Zepter in der Hand hält, und mit Dr. Wolfgang Moosburger, Chefarzt und medizinischer Leiter. „Unsere Zusammenarbeit ist geprägt von gegenseitiger Wertschätzung und dem gemeinsamen Willen, täglich unser Bestes für Gäste, Mitarbeiter und die Rickatschwende zu geben. Wir sind auf Kurs – und das spüren auch unsere Gäste.“

„Wir sind die Architekten unseres Lebens. Für einen gesünderen Lebensstil ist es nie zu spät.“
Sabine Alge
Gastgeberin Rickatschwende
MMag Sabine Alge